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Das Cellokonzert von Marie Jaëll - eine echte Entdeckung!

Für den Orchesterworkshop 2023 der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl, den meine Kollegin Magdalene Kautter im 2-3 jährigen Turnus organisiert, wollten wir gerne die 4. Sinfonie von Peter Tschaikowsky mit einem "unbekannteren" Cellokonzert kombinieren. Nun gibt es eigentlich nur eine Handvoll Cellokonzerte, die regelmässig in den großen Konzertsälen erklingen, dagegen eine recht große Anzahl von Cellokonzerten, die zu Recht oder zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Unter den wenig bis selten gespielten Cellokonzerten galt es nun, ein Werk zu finden das musikalisch interessant und anspruchsvoll, technisch für Orchester und mich als Solistin passend und als Notenmaterial verfügbar ist. Eine Aufgabe, die viele Stunden der Recherche erforderte, mich aber auch mit vielen Werken der Celloliteratur in Berührung brachte, die ich bisher - wenn überhaupt - nur beiläufig zur Kenntnis genommen hatte.

Bei einer meiner Recherche-SItzungen stieß ich auf das Cellokonzert der elsässischen Komponistin Marie Jaëll und war sofort sehr angetan. Marie Jaëll ist manchen Pianisten ein Begriff, da Sie eine bekannte Klaviermethode verfasst hat. Das Cellokonzert ist aber so gut wie unbekannt.

Beim Studium des Manuskripts entdeckte ich eine Kuriosität: Die Orchesterpartitur und der Klavierauszug (beides in Originalhandschrift der Komponistin) enthalten komplett unterschiedliche langsame Mittelsätze. Beide Sätze sind wunderschön, harmonisch und melodisch einfallsreich und sehr reizvoll zu spielen. Für den langsamen Satz des Klavierauszugs existiert jedoch keine Instrumentierung von der Komponistin. Glücklicherweise konnte ich meinen Kollegen Michael Spors dafür gewinnen, den "Lento"-Satz, der nur als Fassung für Cello und Klavier existiert, zu intrumentieren. Er wählte bewußt einen pädagogisch-künstlerischen Ansatz für die Instrumentierung: die Bläser, die im Orchestersatz bei Marie Jaëll nur gelegentlich zum Einsatz kommen und deswegen im Cellokonzert etwas "unterbeschäftigt" sind, werden von Michael im Lento nun besonders hervorgehoben. Sein Mittelsatz lebt von den reizvollen Farben, die sich aus dem Zusammenspiel von Cello und Bläsern ergeben. Einen besonders gelungenen Moment finde ich den Blechbläser-Choral, zu dem sich im Verlauf eine umspielende Cello-Kantilene gesellt.


Viel Vergnügen beim Anhören/Reinhören in das Cellokonzert von Marie Jaëll!


 






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